Die große Balaton-Bruchlinie

Von Michael Hahl

 

Die geologische Kartenskizze (nach Haas 1994, Bildquelle: Èva Hartai) zeigt südlich des Plattensees die Balaton-Bruchlinie (Balaton-vonal), etwa parallel verlaufend die Buzsák-Linie. 

Das Bild darunter zeigt im geologischen Profil (nach Haas und Hámor, 2001, Bildquelle: Èva Hartai), dessen Schnitt ungefähr über Szombathely (NW) und Kaposvár (SE) verläuft, wie an der Balaton-Bruchlinie (etwa in der Bildmitte) die südöstlich davon befindlichen Schichten vertikal stark versetzt wurden, also über Jahrmillionen hinweg "nach unten verrutscht" sind. 

Überdeckt wurde dieser Gesteinsversatz mit vor allem eiszeitlichen Ablagerungen (Sedimenten). 

 

 

 

Mehrere tektonische Bruchstellen im Gestein, so genannte Verwerfungen, bestimmen maßgeblich den geologischen Untergrund im ungarischen Karpatenbecken. Diese Strukturen wurden bereits vor vielen Jahrmillionen angelegt.

Eine dieser sehr lang und tief reichenden Verwerfungen ist die Balaton-Bruchlinie, die unmittelbar südöstlich des Balatons und noch weit bis in die Randbereiche der Alpen verläuft. An dieser als Balaton-vonal bezeichneten "Bruchlinie" kam es zu einem erheblichen vertikalen Versatz, dessen Bewegung nach wie vor anhält.

Auch nordwestlich der Balaton-Bruchlinie resultieren daraus tektonische Heraushebungen, welche unter anderem die Anhöhen des Bakony-Gebirges als Teil der Transdanubischen MIttelgebirgsschwelle betreffen, wobei das kleinere Tapolca-Becken nach unten "abrutscht".

Im Vergleich zum Bakony-Balaton-Komplex sinkt das Gebiet im Komitat Somogy auch heute noch weiter abwärts.

Einige Kilometer südwestlich des Balatons durchschlägt die große Balaton-Bruchlinie auch die Gesteinsbasis des Zalaer Hügellandes (Zalai-dombság); der vertikale Versatz kann unter anderem am
Höhenrücken südlich von Zalaápati rekonstruiert werden.

Die gegenwärtige Oberflächengestalt des Zalai-dombság mit seinen Riedeln und Mulden - etwa zwischen Keszthely und Zalaegerszeg - hat allerdings mit der Bruchlinie in den tiefen Gesteinsschichten zunächst einmal nichts zu tun. Hier waren andere Kräfte am Wirken, aber dennoch: Der Vertikalversatz an den großen Bruchlinien steht mittelbar auch damit in Zusammenhang.
Wie die Zala-Hügel geformt wurden - dazu dann ein nächstes Mal ...

Im "Geologischen Schnitt" (Abbildung oben), also dem Profil zwischen Nordwest und Südost, erkennt man in den oberen Stockwerken der Landoberfläche eine massive, teils weit über 1000 Meter mächtige Überdeckung mit Sedimenten, die insbesondere aus dem Eiszeitalter (Pleistozän) stammen, teils auch noch älter (ab etwa Pliozän).

Bildquelle: Beide Abbildungen stammen aus: Éva Hartai, Magyarország földtana
und werden hier zum Zwecke der geowissenschaftlichen Forschung und geotouristischen Bildungsarbeit verwendet.


--- --- ---
Michael Hahl, deutscher Geograph, geboren 1965 in Ludwigshafen am Rhein, Abschluss an der Geographischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg (Magister Artium der Geographie; mit Geologie u. Ethnologie), wirkt als Inhaber des "Geographischen Fachbüros proreg" mit Projekten im regionalen Geotourismus sowie als Sachverständiger u. fachlicher Bearbeiter für Themenfelder aus Geoökologie u. Lebensraum-/Artenschutz, zudem für Fragestellungen der Subsistenz u. Mensch-Umwelt-Interaktion; freier Autor u. Begründer des geophilosophischen Konzepts "Bewusstseinsgeographie"; Verfasser von über 100 geo- u. umweltwissenschaftlichen, geotouristischen, umweltgeschichtlichen u. geoökologischen Publikationen u. Gutachten, über 100 Tafel-Texte für Geopfade in Natur- u. Geoparks; Exkursionen in viele Regionen Eurasiens, unter anderem in die Hochgebirge des Himalayas, der Skanden und der Alpen; derzeitige räumliche Schwerpunkte: West-Ungarn, Süd-Deutschland u.a.; weiterführende Info: www.proreg.de

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mudflows oder Megatsunami: Entstand der Balaton durch späteiszeitiche Schlammfluten?

Späteiszeitliche "Glacial Lake Outburst Floods" im Karpatenbecken

Zala|Land - der "Geo-Blog" zu Zala und Umgebung